Engagiert in der Nachbarschaft

Im Rahmen des europäischen Jahres des "Aktiven Alters und der Solidarität der Generationen" fand Ende November eine Tagung statt, die die demografischen Herausforderungen in einer älter werdenden Gesellschaft thematisierte und dabei auch das bürgerschaftliche Engagement als eine Form für selbstbestimmtes Leben herausstellte.

Ausgangsthese war, dass selbstbestimmtes Leben dann möglich ist, wenn es ein nachbarschaftliches Miteinander gibt. Die sich verändernden familiären Beziehungen machen es erforderlich, dass Nachbarschaftshilfe als ein ehrenamtliches Engagementfeld entwickelt werden muss, um das soziale Miteinander zu stärken und selbstbestimmes Leben im „vertrauten“ Lebensumfeld zu gewährleisten.

Klar wurde, das ehrenamtliche Angebote, wie Seniorenbesuchsdienste, Bücherbote (ein Bringedienst für Bibliotheksmedien) oder Vorleser für Ältere kein Ersatz für pflegende und haushaltsnahe Dienstleistungen darstellen, sondern diese sinnvoll ergänzen und professionelles Handeln unterstützen können.

Am Beispiel der Projekte „Engagement-Lotsen“ bzw. „Engagierten Nachbarn" zeigte Sulamith Fenkl-Ebert, wie es gelingen Bewohnerinnen und Bewohner zu motivieren sich in und für die Nachbarschaft ehrenamtlich zu engagieren. Die Projekte wurden und werden von der LAGFA in Kooperation mit lokalen Freiwilligenagenturen, Quartier- und Nachbarschaftszentren und Mehrgenerationenhäusern umgesetzt. Die lokale Einbindung der engagementfördernden Aktivitäten ist ein zentraler Faktor für das Gelingen nachbarschaftlicher Unterstützung. D.h. Ehrenamt braucht hauptamtliche Mitarbeitende, die die Rahmenbedingungen für zivilgesellschaftliches Engagement schaffen und die die ehrenamtliche Betätigung fachlich ermöglichen sowie öffentlich wertschätzen und anerkennen.  Im Projektzeitraum wurden in insgesamt sechs Stadtteilen bzw. Kommunen fast 100 Ehrenamtliche qualifiziert, die über 50 Ehrenamts-Projekte in „ihrem Wohnquartier“ initiiert haben und z.T. auch nach Ablauf der Förderung noch umsetzen.

Eine solche Struktur bietet der MWG-Nachbarschaftshilfe e.V., die Anett Schmidt vorstellte. Der Verein wurde auf Initiative eines Wohnungsunternehmens gegründet und hat zum Ziel, ein besseres soziales Miteinander im Lebensumfeld der Menschen zu ermöglichen. In den drei Nachbarschaftstreffs finden Mieterinnen und Mieter nicht nur einen lokalen Informationsservice sonder haben die ehrenamtlich Engagierten einen Raum, ihre Ideen für eine lebendige Nachbarschaft zu entwickeln und mit den Vereinsmitgliedern gemeinsam zu realisieren. So sind gegenwärtig fast 50 Ehrenamtliche in mehr als 25 Aktivitäten tätig und haben in den ersten neun Monaten des Jahres 2012 schon über 2.000 Stunden ehrenamtlich für die Nachbarschaft geleistet.

Wie Nachbarschaftshilfe im ländlichen Raum gelingen kann, wurde von der Stiftung ProAlter im Landkreis Stendal untersucht, stellte Marion Mohr vor. Dazu wurden im Sinne einer Bedarfsanalyse über 180 Gespräche mit Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft, Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Akteuren des Gemeinwesen geführt. Auch hier wurde deutlich, dass es ein hohes Potenzial für ehrenamtliche nachbarschaftliche Aktivitäten gibt. Es braucht eine engagmentfördernde und –unterstützende Politik, die es ermöglicht, Ideen zu Projekten für ein soziales Miteinander werden zu lassen. Mit der Freiwilligen-Agentur Altmark e.V., in der Mohr zweite Vorsitzende ist, gibt es eine, von Partnern der Gemeinwesenarbeit getragene Struktur zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements, die die nachbarschaftlichen Aktivitäten im ländlichen Raum qualitativ und quantitativ unterstützen will.

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